Glossar
Projektsteuerung hat eine eigene Sprache, und die entscheidet in Besprechungen mit darüber, ob alle dasselbe meinen. Dieses Glossar erklärt die Begriffe, die uns in Terminplänen, Berichten und Lenkungskreisen täglich begegnen.
Jeder Eintrag beginnt mit einer Kurzdefinition, die für sich allein verständlich ist; darunter steht die Einordnung aus der Projektpraxis.
BAC (Budget at Completion)
Kurzdefinition: Das BAC ist das geplante Gesamtbudget eines Projekts zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung, also die Summe aller budgetierten Kosten aller Arbeitspakete. Es ist der Bezugswert, gegen den in der Earned-Value-Analyse jede Kostenabweichung gemessen wird.
Das BAC verändert sich im Projektverlauf nur, wenn der Leistungsumfang formal geändert wird. Es ist damit der stabile Anker der Kostensteuerung. Verwechselt wird es häufig mit der EAC (Estimate at Completion), der laufend aktualisierten Prognose der tatsächlichen Endkosten.
In der Praxis lohnt der Blick auf die Differenz zwischen BAC und EAC: Sie ist die Zahl, die im Lenkungskreis wirklich diskutiert wird.
Synonyme: Gesamtbudget, Planbudget bei Fertigstellung
BEI (Baseline Execution Index)
Kurzdefinition: Der BEI misst, wie viele Vorgänge tatsächlich abgeschlossen wurden, geteilt durch die Zahl der Vorgänge, die laut Baseline bis zum Stichtag hätten abgeschlossen sein sollen. Ein Wert unter 1,0 bedeutet, dass das Projekt hinter seinem geplanten Arbeitsfortschritt liegt.
Der BEI ist einer der 14 DCMA-Prüfpunkte und wird üblicherweise ab 0,95 als kritisch bewertet. Sein Vorteil gegenüber prozentualen Fortschrittsangaben: Er zählt abgeschlossene Vorgänge und ist damit deutlich schwerer schönzurechnen.
Seine Schwäche ist die Gleichgewichtung: Ein trivialer Vorgang zählt genauso wie ein kritischer. Der BEI ersetzt deshalb keine Betrachtung des kritischen Pfades, sondern ergänzt sie.
Synonyme: Baseline-Erfüllungsgrad
CAPEX (Capital Expenditure)
Kurzdefinition: CAPEX bezeichnet Investitionsausgaben für langfristige Vermögenswerte wie Anlagen, Gebäude oder Maschinen, die aktiviert und über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben werden. In Investitionsprojekten ist CAPEX die Budgetgröße, aus der Planung, Beschaffung und Bau bezahlt werden.
Die Abgrenzung zu OPEX (laufende Betriebsausgaben) entscheidet in der Praxis häufig darüber, wie ein Vorhaben genehmigt wird, und damit auch, wie eng es terminlich getaktet ist. Instandhaltungsmaßnahmen im Stillstand liegen oft an genau dieser Grenze.
Für die Terminsteuerung ist relevant: CAPEX-Freigaben erfolgen meist stufenweise. Jede Freigabestufe ist ein Meilenstein, der im Terminplan abgebildet gehört, weil er Beschaffungsvorgänge blockieren kann.
Synonyme: Investitionsausgaben, Investitionskosten
CPLI (Critical Path Length Index)
Kurzdefinition: Der CPLI setzt die Länge des kritischen Pfades ins Verhältnis zur verbleibenden Zeit bis zum vertraglichen Endtermin. Ein Wert von 1,0 bedeutet, dass der Endtermin ohne jede Reserve erreicht wird; ein Wert unter 1,0 zeigt an, dass der Termin rechnerisch bereits verfehlt ist.
Der CPLI ist einer der 14 DCMA-Prüfpunkte; als Grenzwert gilt üblicherweise 0,95. Er beantwortet eine Frage, die aus einem Balkenplan nicht ablesbar ist: Wie viel Zeitreserve steckt tatsächlich noch zwischen heute und dem Endtermin?
Aussagekräftig wird der CPLI erst im Verlauf. Ein einzelner Wert ist eine Momentaufnahme; drei Berichtsperioden mit fallendem CPLI sind ein Frühwarnsignal, das eine Steuerungsentscheidung verlangt.
Synonyme: Kritischer-Pfad-Index
DCMA-14-Punkte-Analyse
Kurzdefinition: Die DCMA-14-Punkte-Analyse ist ein standardisiertes Prüfverfahren der US-amerikanischen Defense Contract Management Agency, das einen Terminplan anhand von 14 messbaren Kriterien auf strukturelle Qualität untersucht. Geprüft werden unter anderem fehlende Logik, Zwangstermine, Puffer, überlange Vorgänge und die Belastbarkeit des kritischen Pfades.
Die Analyse bewertet nicht, ob die geplanten Termine realistisch sind, sondern ob der Plan überhaupt in der Lage ist, Verzug korrekt zu rechnen. Ein Plan, der die Prüfung besteht, kann trotzdem zu optimistisch sein. Ein Plan, der sie deutlich verfehlt, ist dagegen nicht steuerbar.
In der Praxis werden die Grenzwerte als Gesprächsanlass verwendet, nicht als Urteil: Jede Abweichung braucht eine Erklärung, und vertraglich begründete Zwangstermine sind eine völlig legitime Abweichung.
Synonyme: DCMA 14, 14-Punkte-Analyse, DCMA-Schedule-Assessment
EPC (Engineering, Procurement, Construction)
Kurzdefinition: EPC bezeichnet ein Vertragsmodell, bei dem ein Auftragnehmer Planung, Beschaffung und Bauausführung einer Anlage als Gesamtleistung schuldet und sie schlüsselfertig übergibt. Der Auftraggeber hat damit einen Vertragspartner für den gesamten Leistungsumfang und trägt weniger Schnittstellenrisiko.
Für die Terminsteuerung verschiebt ein EPC-Vertrag die entscheidende Frage: Nicht die Koordination der Gewerke steht im Vordergrund, sondern die Nachvollziehbarkeit des Terminplans, den der Auftragnehmer vorlegt.
Genau hier setzen strukturelle Prüfungen wie die DCMA-14-Analyse an. Sie geben dem Auftraggeber ein objektives Kriterium, um die Belastbarkeit eines übergebenen Plans zu beurteilen.
Synonyme: EPC-Vertrag, Generalunternehmer-Modell, schlüsselfertige Errichtung
Float (Puffer)
Kurzdefinition: Float ist die Zeitspanne, um die ein Vorgang verschoben werden kann, ohne den Endtermin des Projekts zu gefährden. Vorgänge mit einem Float von null bilden den kritischen Pfad; negativer Float zeigt an, dass ein Termin bereits nicht mehr eingehalten werden kann.
Zu unterscheiden sind Gesamtpuffer (Total Float, Verschiebung ohne Auswirkung auf den Endtermin) und freier Puffer (Free Float, Verschiebung ohne Auswirkung auf den frühesten Start des Nachfolgers). Beide Werte errechnet der Terminplan selbst. Sie sind keine Schätzung.
Auffällig hohe Puffer sind in der Praxis fast immer ein Logikfehler: Ein Vorgang mit 400 Tagen Float hat in der Regel schlicht keinen Nachfolger. Die DCMA-14-Analyse prüft genau das.
Synonyme: Gesamtpuffer, Total Float, Slack, Zeitreserve
Lookahead-Planung
Kurzdefinition: Die Lookahead-Planung ist eine rollierende Detailplanung, die aus dem Rahmenterminplan die kommenden vier bis sechs Wochen herausgreift und für jeden Vorgang prüft, ob alle Startvoraussetzungen erfüllt sind. Ihr Ergebnis ist keine Prognose, sondern eine Liste konkreter Aufgaben mit Verantwortlichen und Terminen.
Der Nutzen entsteht durch den Rhythmus, nicht durch die Detailtiefe: Wöchentliche Runden decken Hindernisse auf, solange sie noch behebbar sind: fehlendes Material, ausstehende Freigaben, nicht abgenommene Vorleistungen.
Die Lookahead-Planung ersetzt den Terminplan nicht. Sie speist ihn: Jedes ungelöste Hindernis wird zur begründeten Verschiebung in der nächsten Fortschreibung.
Synonyme: Vorschauplanung, rollierende Wochenplanung, Six-Week-Lookahead
Meilenstein-Trendanalyse
Kurzdefinition: Die Meilenstein-Trendanalyse trägt zu jedem Berichtsstichtag die prognostizierten Termine ausgewählter Meilensteine in ein Diagramm ein und macht so deren Verschiebung über die Zeit sichtbar. Eine steigende Linie bedeutet Verzug, eine fallende eine Beschleunigung, eine waagerechte einen stabilen Termin.
Der Wert der Darstellung liegt im Verlauf: Sie zeigt nicht nur, dass ein Meilenstein verschoben wurde, sondern auch, ob die Verschiebung Teil eines Trends ist. Genau das unterscheidet eine einmalige Störung von einem systematischen Problem.
Voraussetzung ist Disziplin bei den Stichtagen: Werden Prognosen unregelmäßig oder nachträglich korrigiert eingetragen, verliert die Analyse jede Aussagekraft.
Synonyme: MTA, Meilensteintrendanalyse
Terminplan-Baseline
Kurzdefinition: Die Terminplan-Baseline ist der zu einem Stichtag eingefrorene und formal freigegebene Terminplan, gegen den jeder spätere Fortschritt gemessen wird. Ohne sie gibt es keinen Soll-Ist-Vergleich, weil sich der Vergleichsmaßstab sonst mit jeder Fortschreibung mitbewegt.
Eine Baseline wird nur bei formal genehmigten Änderungen des Leistungsumfangs neu gezogen, nicht aber, weil Termine nicht mehr passen. Genau diese Disziplin macht Abweichungen überhaupt erst sichtbar.
In der Praxis empfiehlt sich, die Baseline gemeinsam mit ihren Annahmen zu dokumentieren: unterstellte Lieferzeiten, Genehmigungsdauern, Ressourcenverfügbarkeit. Ohne diese Annahmen lässt sich später nicht mehr beurteilen, ob eine Abweichung ein Planungsfehler oder eine geänderte Randbedingung war.
Synonyme: Basisplan, Baseline, Sollterminplan